Barrierefreie Kommunikation von gehörlosen Betroffenen in den Kompetenzzentren
Um die medizinische Versorgung der gehörlosen Betroffenen in den multidisziplinäre medizinische Kompetenzzentren (MMK) weiter zu stärken, fragte die Conterganstiftung bei alle Einrichtungen nach, wie die Behandlung gehörloser Patientinnen und Patienten in der Regel erfolgt.
Im Mittelpunkt stand die Frage, inwieweit eine Kommunikation mit Gehörlosen sichergestellt werden kann und in welchem Umfang barrierefreie Kommunikationsmittel sowie Dolmetschende für Gebärdensprache zur Verfügung stehen.
Alle Kompetenzzentren zeigen eine große Bereitschaft sich auf die besonderen Kommunikationsbedürfnisse einzustellen. Zentrale Rolle spielt dabei die schriftliche Kommunikation: Nahezu alle Einrichtungen ermöglichen Terminabsprachen und Rückfragen per E-Mail, teils ergänzt durch schriftliche Fragebögen oder ausgehändigte Informationsmaterialien. Dies erleichtert die Kontaktaufnahme bereits vor dem Aufenthalt und bietet eine Basis, um Termine und Inhalte auch ohne unmittelbaren Dolmetschereinsatz abzusprechen.
Die nachstehenden Informationen zu den Kliniken finden Sie ebenfalls in der Übersicht der Kompetenzzentren.
DIAKOVERE, Hannover
In der DIAKOVERE erfolgt die Anmeldung und Terminvereinbarung für gehörlose Patientinnen und Patienten in der Regel schriftlich.
Dadurch ist eine unkomplizierte und barrierearme Kontaktaufnahme möglich, ohne, dass hierfür bereits in der Anmeldephase ein Gebärdensprachdolmetscher / eine Gebärdensprachdolmetscherin erforderlich ist.
Die Kommunikation mit gehörlosen Patientinnen und Patienten erfolgt sodann unter Einbindung der von den Betroffenen mitgebrachten und vertrauten Gebärdensprachdolmetschenden.
Dr. Becker Rhein-Sieg Klinik, Nürnbrecht
In der Dr. Becker Rhein-Sieg Klinik erfolgt die Terminorganisation in der Regel schriftlich. Für die Untersuchungs- und Behandlungssituationen beauftragen die Patientinnen und Patienten ihre Gebärdensprachdolmetschung selbst, wobei die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden.
Die Klinik unterstützt bei Bedarf aktiv bei der Auswahl geeigneter Dolmetschdienste, mit denen sie bereits gute Erfahrungen gemacht hat. Auf Wunsch sind die Dolmetschenden sowohl bei Gesprächen als auch bei Behandlungen anwesend und stimmen ihre Einsatzzeiten eng mit dem Behandlungsteam ab, sodass ein gut koordinierter Ablauf gewährleistet ist.
Heilbad Krumbad, Krumbach
Im Heilbad Krumbad wird bei Bedarf für gehörlose Patientinnen und Patienten im Vorfeld der Anreise ein Gebärdensprachdolmetscher / eine Gebärdensprachdolmetscherin organisiert. Hierzu würde eine Anfrage an das Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg gestellt, mit dem bei entsprechender Notwendigkeit zusammengearbeitet werden kann.
Darüber hinaus erhalten alle Patientinnen und Patienten bei der Anreise die wichtigsten Informationen zu ihrem Aufenthalt grundsätzlich in Papierform, sodass zentrale Inhalte schriftlich vorliegen. Zusätzliche Auskünfte können jederzeit an der Rezeption oder über die Pflege abgerufen werden. Das Haus ist zudem mit Wegweisern ausgestattet, und alle erhalten zu Beginn eine Orientierungskarte des Gebäudes, die die eigenständige Orientierung im Haus unterstützt. Auf diese Weise wird ein gut strukturierter und schriftlich abgesicherter Informationszugang gewährleistet.
Johannesbad Raupennest, Altenberg
Im Johannesbad Raupennest werden für gehörlose Rehabilitandinnen und Rehabilitanden gezielt Gebärdensprachdolmetschende mindestens für das Aufnahme- und das Entlassungsgespräch eingesetzt. Die Klinik übernimmt dabei die Organisation der Dolmetschenden, sofern der Bedarf rechtzeitig im Vorfeld mitgeteilt wird. Die Abrechnung der Dolmetscherhonorare erfolgt in der Regel über den zuständigen Kostenträger oder, bei privaten Aufenthalten, über die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden selbst.
Darüber hinaus besteht grundsätzlich die Möglichkeit, über das Tool „Arztkonsultation“ Honorar-Dolmetschung bei Bedarf per Videokonferenz zuzuschalten, sodass auch Visiten mit Ärztinnen und Ärzten oder einzelne therapeutische Termine abgedeckt werden können.
Klinik Hoher Meißner, Bad Sooden Allendorf
In der Klinik Hoher Meißner wird nach Eingang eines Reha-Antrags geprüft und berücksichtigt, ob eine Begleitperson oder ein Gebärdensprachdolmetscher / eine Gebärdensprachdolmetscherin erforderlich ist. Dies ist bestenfalls bereits im Antrag angegeben. Bei Unklarheiten wird hierzu auch Kontakt mit den Patienten und/oder der Krankenkasse aufgenommen. Somit wird bereits im Vorfeld der Bedarf geklärt und ggf. ein Gebärdensprachdolmetscher / eine Gebärdensprachdolmetscherin organisiert oder die Aufnahme einer Begleitperson ermöglicht.
Für die Auswahl geeigneter Dolmetscherinnen und Dolmetscher steht der Klinik eine entsprechende Liste zur Verfügung, auf die bei der Planung zurückgegriffen wird. Die Kosten werden vom jeweiligen Kostenträger übernommen. Der Umfang der Dolmetschertätigkeit wird ebenfalls vorab geprüft und medizinisch begründet. Darüber hinaus sind sowohl der Einsatz von Videodolmetscher-Systemen als auch schriftliche Kommunikationsformen möglich.
Krankenhaus Rummelsberg
Im Krankenhaus Rummelsberg kann bei Bedarf zu Behandlungsterminen die Anwesenheit eines Gebärdensprachdolmetschers / einer Gebärdensprachdolmetscherin sichergestellt werden. Hierzu arbeitet das Krankenhaus mit der Dolmetscher-Vermittlung Mittelfranken zusammen, wodurch eine professionelle Koordination der Einsätze gewährleistet ist. Für die Patientinnen und Patienten entsteht dabei kein zusätzlicher organisatorischer Aufwand, da die Klinik die Terminabstimmung mit den Dolmetschenden übernimmt. Die Abrechnung mit den Krankenkassen erfolgt eigenständig durch die Dolmetschenden.
Als barrierefreies Kommunikationsmittel steht darüber hinaus die schriftliche Kommunikation zur Verfügung: Ein Austausch vor Terminen kann per E-Mail erfolgen, und wichtige Behandlungsschwerpunkte werden vorab mittels Fragebogen erhoben. Wird während eines Termins schriftliche Kommunikation gewünscht, kann dieser Bedarf im Vorfeld mitgeteilt werden, sodass geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden können.
Schön Klinik Hamburg
In der Schön Klinik Hamburg werden Behandlungen für gehörlose Patientinnen und Patienten langfristig geplant. Die Klinik stimmt alle relevanten Termine im Voraus mit ihren Gebärdensprachdolmetscherinnen ab, die am Aufnahmetag über mehrere Stunden vor Ort sind, um eine umfassende Verständigung sicherzustellen. Auch zum Abschlussgespräch sind in der Regel dieselben Dolmetscherinnen anwesend, bei Bedarf zusätzlich zu Terminen im Verlauf des Aufenthalts, sodass Kontinuität in der Kommunikation sicherstellt wird.
Hinsichtlich barrierefreier Kommunikationsmittel orientiert sich die Klinik an den Wünschen und Gewohnheiten der gehörlosen Betroffenen. Eingesetzt werden unterschiedliche digitale Kommunikationswege wie etwa Teams oder Zoom, in Kombination mit den Gebärdensprachdolmetscherinnen. Ergänzend findet im Vorfeld und im Nachgang häufig eine schriftliche Abstimmung per E-Mail statt.
Uniklinik Aachen
An der Uniklinik RWTH Aachen können gehörlose Patientinnen und Patienten zu ihren Terminen eine Gebärdensprachdolmetscherin oder einen Gebärdensprachdolmetscher mitbringen, die für eine barrierefreie Kommunikation in diagnostische und therapeutische Gespräche sowie Untersuchungen eingebunden werden.
Im Bereich der barrierefreien Kommunikation verfügt die Einrichtung über eine Logopädin mit Erfahrung in der Beratung zu Unterstützter Kommunikation (UK). Grundsätzlich zeigt sich das Team offen für jede Form der Kommunikation, die die Patientinnen und Patienten nutzen und mitbringen, etwa Gebärdensprache, Schriftsprache oder andere unterstützende Methoden.
Uniklinik Köln
Im Universitätsklinikum Köln werden gehörlose Patientinnen und Patienten gebeten, für die Organisation von Gebärdensprachdolmetschenden mit dem spezialisierten Dienst „tridimo – Wir sind die Brücke für Gehörlose“ Kontakt aufzunehmen. Auf dieser Grundlage können dann gemeinsam Gesprächstermine in der Sprechstunde koordiniert werden, sodass die Dolmetscherinnen und Dolmetscher gezielt in die Kommunikation eingebunden sind.
Für die Kontaktaufnahme und Terminvereinbarung steht derzeit insbesondere der E-Mail-Verkehr zur Verfügung. Zugleich besteht in der Klinik ein Bewusstsein dafür, dass Schulungen des beteiligten Personals zu geeigneten Verfahren der barrierefreien Kommunikation sinnvoll sind. Einzelne Mitarbeitende haben bereits Gebärdensprachkurse absolviert, sodass erste Grundlagen vorhanden sind, auf denen weiter aufgebaut werden kann.
Bitte beachten Sie folgenden Hinweis:
Die dargestellten Kommunikationsmöglichkeiten geben einen Überblick über die von den Medizinischen Kompetenzzentren benannten Angebote zur barrierefreien Kommunikation. Die konkrete Ausgestaltung der Kommunikation zwischen Betroffenen und den jeweiligen Einrichtungen sowie die damit verbundenen datenschutzrechtlichen Anforderungen liegen in der Verantwortung der jeweiligen Medizinischen Kompetenzzentren.
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