Die Conterganstiftung trauert um Margit Hudelmaier
Langjährige Vorständin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande verstorben
Margit Hudelmaier hat das Leben vieler Menschen mit Conterganschädigung in Deutschland verändert. Die Conterganstiftung trauert um ihr Vorstandsmitglied und um eine Frau, die über Jahrzehnte eine der beständigsten Stimmen für die Rechte von Betroffenen war.
Margit Hudelmaier wurde am 27. Oktober 1960 in Allmendingen auf der Schwäbischen Alb geboren. Ihre Mutter hatte während der Schwangerschaft das Medikament Contergan der Firma Grünenthal eingenommen. Margit Hudelmaier kam mit Fehlbildungen der Arme zur Welt.
Sie ließ sich davon nicht bestimmen. Sie studierte Sozialpädagogik und arbeitete als Fachberaterin in der Altenhilfe beim Landratsamt des Alb-Donau-Kreises. Gleichzeitig engagierte sie sich ehrenamtlich für Menschen mit Conterganschädigung.
Ihr politisches Engagement begann früh: Bereits mit 18 Jahren wurde sie 1978 Jugendbeirätin im Bundesverband Contergangeschädigter. 1992 übernahm sie den Vorsitz des Bundesverbandes Contergangeschädigter e. V., den sie 22 Jahre lang innehatte. Parallel dazu vertrat sie von 1992 bis 2014 die Interessen von Menschen mit Conterganschädigung im Stiftungsrat der Conterganstiftung.
Im Jahr 2015 wurde Margit Hudelmaier in den ehrenamtlichen Vorstand der Conterganstiftung berufen. Auf ihre Initiative gehen die Einführung des Beratungsbereichs der Stiftung im Jahr 2017 sowie der Aufbau von zehn Multidisziplinären medizinischen Kompetenzzentren für Menschen mit Conterganschädigung im gesamten Bundesgebiet zurück.
Margit Hudelmaier wählte ihre Worte mit Bedacht. Den Begriff „Tragödie" für das, was Grünenthal verursacht hat, lehnte sie ab. Sie sprach vom Conterganskandal. Denn bei einem Skandal, so ihr Argument, gibt es Verantwortliche.
Am 30. Juli 2010 verlieh ihr die Bundesrepublik Deutschland das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die Auszeichnung würdigte ihr ehrenamtliches Engagement für Menschen mit Conterganschädigung.
Dieter Hackler, Vorstandsvorsitzender der Conterganstiftung: „Margit Hudelmaier hat über Jahrzehnte mit Haltung, Klarheit und großer Menschlichkeit für Menschen mit Conterganschädigung gewirkt. Sie hat Strukturen verändert und vielen Menschen direkt geholfen. Ihr Engagement war beispielhaft."
Margit Hudelmaier ist am 7. Mai 2026 im Alter von 65 Jahren gestorben. Die Conterganstiftung spricht ihrer Familie, ihrem Ehemann, ihren Freunden und allen Menschen, die ihr nahestanden, ihr tief empfundenes Mitgefühl aus.
Über die Conterganstiftung
Die Conterganstiftung ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts des Bundes mit Sitz in Köln. Sie wurde 1972 gegründet und unterstützt Menschen, deren Behinderung auf die vorgeburtliche Einnahme thalidomidhaltiger Medikamente zurückzuführen ist. Diese Präparate wurden Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre unter anderem unter dem Namen Contergan vertrieben.
In der Folge wurden weltweit etwa 10 000 Kinder mit schweren Missbildungen vor allem an den Gliedmaßen geboren. In Deutschland traf dieses Schicksal etwa 5 000 Neugeborene, von denen etwa 2 800 überlebten.
Heute unterstützt die Stiftung weltweit 2 365 Menschen mit Conterganschädigung mit lebenslangen Renten (887 Euro bis 10.017 Euro monatlich) sowie weiteren Leistungen. Jährlich stellt der Bund dafür rund 180 Millionen Euro bereit.
Die Stiftung betreibt eine Beratungsstelle für sozialrechtliche Fragen und fördert medizinische Kompetenzzentren sowie weitere Projekte. Im Contergan-Infoportal bündelt sie Informationen zu Medizin, Recht, Finanzen und Alltag.
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