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Presseinformation

Haus der Geschichte zeigt Contergan-Exponate

Mit der Wiedereröffnung der neuen Dauerausstellung unter dem Titel: „Du bist Teil der Geschichte. Deutschland seit 1945“ verleiht das Haus der Geschichte in Bonn dem Conterganskandal einen neuen, festen Platz und öffnet damit Raum für Erinnerung, Aufklärung  und Anerkennung. 

Ein starkes Signal für Menschen mit Conterganschädigung: Ihr Schicksal wird gesellschaftlich deutlich sichtbarer und als Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte anerkannt. Eines von 3 850 Exponaten der neuen Dauerausstellung ist eine originale Armprothese, gestiftet von Margit Hudelmaier, Vorständin der Conterganstiftung.

Trotz des großen Besucheraufkommens von 14,3 Mio. seit der Eröffnung des Bundesmuseums 1994 wurde es nach 30 Jahren Zeit für eine komplette Überarbeitung der Dauerausstellung. Daher konzentriert sich die neue, am 9. Dezember 2025 eröffnete Schau auf fünf große zeitliche Blöcke in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Zeit des Conterganskandals fällt in die Epoche Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre. 

„Diese Zeit war geprägt von starkem Technik- und Fortschrittsglauben, man flog ins All und glaubte, alles sei möglich und es gäbe keine Risiken. Das gilt für den Umgang mit der Atomenergie ebenso wie für bahnbrechende Erfolge in der Medizin, wie erste Herztransplantationen“, erklärt Sammlungsdirektor Dr. Manfred Wichmann. 

Und so war es für die Macher der Ausstellung nur logisch, auch den Conterganskandal, eine der schlimmsten Arzneimittelkatastrophen in der Geschichte der Bundesrepublik, hier zeitlich und thematisch anzusiedeln. „Damals nahmen viele schwangere Frauen das Schlafmittel Contergan ein – in dem Glauben, es sei harmlos. Später stellte sich heraus, dass das Medikament bei Tausenden Kindern zu schweren Fehlbildungen führte – ein typisches Beispiel für den unbedingten Glauben an den medizinischen Fortschritt dieser Zeit, dem wir in einer raumhohen Vitrine mit verschiedenen Exponaten aus dieser Epoche gerecht werden wollten“, erläutert der Sammlungsdirektor.

Ich habe diese Prothese immer als Fremdkörper empfunden, als etwas, das gar nicht zu mir gehört und mir meine Behinderung erst richtig bewusst gemacht hat.

Margit Hudelmaier, Vorständin der Conterganstiftung

Zu diesen Exponaten zählt ein Original-Pillendöschen und eine Contergan-Verpackung (auch in der „alten“ Dauerausstellung bereits ausgestellt), aber auch ein Taschenkalender einer jungen Mutter sowie eine originale Armprothese eines betroffenen Kindes. Gespendet wurde diese Armprothese von Margit Hudelmaier. Die Vorständin der Conterganstiftung war eigens im Sommer 2025 nach Bonn gereist, um die Prothese, die sie als Siebenjährige in der Schule getragen hat, an das Bundesmuseum zu übergeben. 

Margit Hudelmaier: „Ich habe diese Prothese immer als Fremdkörper empfunden, als etwas, das gar nicht zu mir gehört und mir meine Behinderung erst richtig bewusst gemacht hat.“ Der Conterganskandal zeigte schnell die Grenzen des uneingeschränkten Fortschrittsglaubens auf.

„Es gibt nun einmal keine einfache technische Lösung für solche Probleme. Dies ist auch heute noch so“, ergänzte die persönlich von Contergan betroffene Vorständin. Nun hat die Prothese als Dauerleihgabe ans Haus der Geschichte einen Ehrenplatz in der Vitrine gefunden, in der sie mindestens zwei Jahrzehnte bleiben wird. Dr. Wichmann: „Das Besondere an der Vitrine ist der schwebende Charakter der Exponate. Alle Ausstellungsgegenstände sind so angeordnet, dass sie von mehreren Seiten betrachtet werden können, dafür wurde eine sehr aufwändige Konstruktion gefertigt, die die Exponate eindrucksvoll in Szene setzt.

Die Prothese von Frau Hudelmaier ist ganz sicher ein Blickfang an dieser Stelle, der vielen Besucherinnen und Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Für Betroffene ist die Sichtbarmachung im Museum mehr als symbolisch: "Es bedeutet Anerkennung – ihrer Schmerzen, ihrer Lebensleistung und ihrer Existenz. Es bedeutet aber auch, dass die Gesellschaft sich erinnert, dass das Unrecht nicht verdrängt, sondern dokumentiert und transparent gemacht wird“, so der Sammlungsdirektor.

Das Haus der Geschichte Bonn legt übrigens großen Wert darauf, seine Ausstellungen für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen — auch für Menschen mit Behinderungen  oder Mobilitätseinschränkungen. Für Menschen mit Conterganschädigung bedeutet ein barrierefreier Museumsbesuch weit mehr als Komfort: Damit verbunden sind eine Reihe von Service- und Zugänglichkeitsangeboten wie ebenerdige Eingänge mit automatischen Schiebetüren oder die Möglichkeit, sich über das Informationsdesk Hilfsmittel auszuleihen. Auch Assistenzhunde sind im Museum und in den Ausstellungsräumen zugelassen. Für Personen mit Hörbeeinträchtigung werden bei Führungen elektronische Führungssysteme mit Funk-Ohrhörern angeboten. 

Kontakt

Portrait von Matthias Moeller, Sachbearbeiter Öffentlichkeitsarbeit Conterganstiftung
Matthias Moeller
Sachbearbeiter Öffentlichkeitsarbeit
Geschäftsstelle der Conterganstiftung
50964 Köln

Telefon: 0221 3673 3303
E-Mail: geschaeftsstelle@contergan.bund.de