Barrierefrei wohnen – mehr Komfort durch individuelle Lösungen
Ein Zuhause soll Rückhalt geben, Freiräume eröffnen und im Alltag gut funktionieren. Hier erfahren Sie, inwieweit Umbau, Hilfsmittel und moderne Technik ihren Alltag erleichtern können. Sie finden Orientierung, konkrete Ansatzpunkte und die richtigen Anlaufstellen für Beratung und Umsetzung des barrierefreien Lebens.
Das Wichtigste auf einen Blick
Barrierefreies Wohnen bedeutet vor allem eins: individuelles Wohnen. Ein barrierefreies Zuhause ist nicht nur funktional, es schafft Lebensqualität. Es unterstützt Sie dabei, sich frei zu bewegen, alltägliche Dinge zu erledigen und Ihr Leben aktiv zu gestalten. Das gilt für Mietwohnungen ebenso wie für Eigentum, für kleine Anpassungen wie für große Um- oder Neubauten.
In der Praxis führen drei Wege zum barrierefreien Zuhause:
- Umbau oder Wohnungsanpassung
- Hilfsmittel und technische Unterstützung
- Neubau
Eine gute Planung ist wichtig. Lösungen sehen bei jedem Menschen anders aus. Selbst bei ähnlichen Einschränkungen unterscheiden sich Bedürfnisse und Prioritäten. Und: Denken Sie Veränderungen über die Zeit direkt mit, insbesondere bei Türen, Bewegungsflächen und zentralen Wegen.
Ein Beispiel: Eine Türbreite von 80 cm reicht in der Regel aus. Wird später ein Rollstuhl nötig, braucht es oft 90 cm.
Welche Maßnahmen barrierefreies Wohnen ausmachen
Für ein barrierefreies Zuhause gibt es viele kleine und große Maßnahmen. Dazu gehören:
- Stufenlose Zugänge
- Ausreichende Bewegungsflächen (z. B. in Flur, Bad, Küche)
- Unterfahrbare Arbeitsflächen und passende Höhen (z. B. Waschbecken, Küchenbereiche)
- Rutschhemmende Böden
- Schwellenarme oder schwellenlose Dusche
- Verbreiterte Türen oder unterstützende Systeme
- Hilfsmittel wie Haltegriffe (wenn sie ohne Eingriff in die Bausubstanz montierbar sind)
- Gute Lichtgestaltung für Sicherheit und Orientierung
Setzen Sie dort an, wo Ihr Alltag heute nicht gut funktioniert und planen Sie so, dass Ihr Zuhause auch morgen noch gut funktioniert.
Barrierefrei bauen: Kommunale Bauämter als wichtige Anlaufstelle
In Deutschland regeln die Bundesländer das Baurecht. Deshalb unterscheiden sich Vorgaben zum barrierefreien Bauen je nach Bundesland. Konkrete Informationen zu Anforderungen und Umsetzung erhalten Sie bei den kommunalen Bauämtern Ihrer Stadt oder Gemeinde. Dort erfahren Sie auch, welche technischen Bestimmungen in Ihrem Bundesland maßgeblich sind.
Wer Sie bei der Planung und Förderung unterstützt
Gute Beratung hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen: Was ist sinnvoll, was ist machbar, welche Reihenfolge passt? Diese Stellen geben Orientierung, helfen bei der Planung und zeigen Wege zu Finanzierung und Förderung:
- Pflegestützpunkte und Wohnberatungsstellen
- Fachstellen der Länder und Kommunen
- Verbraucherzentralen
- Architektinnen und Architekten bzw. Fachleute mit Schwerpunkt Barrierefreiheit
Wichtig: Beantragen Sie Fördermittel in der Regel vor Beginn der Maßnahme. Wer früh startet, vermeidet Zeitdruck und unnötige Mehrkosten.
Mietwohnung barrierefrei umbauen: Frühzeitig mit dem Vermieter sprechen
Sobald eine barrierefreie Anpassung in die bauliche Substanz eingreift, brauchen Sie in der Regel die Zustimmung des Vermieters. Maßnahmen, die sich ohne Weiteres wieder entfernen lassen, können Sie oft auch ohne Zustimmung umsetzen (z. B. bestimmte Haltegriffe oder technische Hilfen).
Für typische bauliche Eingriffe wie zum Beispiel Türverbreiterungen oder Treppenlifte ist die Zustimmung des Vermieters jedoch erforderlich.
Wenn Veränderungen notwendig sind, damit Sie die Wohnung langfristig behindertengerecht nutzen können, haben Sie nach § 554a Absatz 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) das Recht, von der Vermieterin /dem Vermieter die Zustimmung zu den dafür erforderlichen baulichen Anpassungen zu verlangen.
Tipp: Halten Sie vor Beginn der Maßnahmen eine schriftliche Vereinbarung mit dem Vermieter fest. Darin sollten mindestens diese Punkte klar geregelt sein:
- Umfang der Wohnungsanpassung: Welche Maßnahmen werden konkret umgesetzt (z. B. Türverbreiterung, Einbau eines Treppenlifts, Umbau im Bad)? Welche Bauteile sind betroffen?
- Kosten und Kostenverteilung: Wer übernimmt welche Kosten? Und falls der Vermieter zahlt: ob und wie er die Kosten später z. B. über die Miete umlegt.
- Regelung für den Auszug: Was passiert beim Auszug? Rückbau ja/nein, wer trägt die Kosten – oder ob alternativ eine Entschädigung/Übernahme der Umbauten vereinbart wird.
Mit Online-Planungshilfen Kosten senken
Starten Sie mit einer Bedarfsanalyse: Was brauchen Sie wirklich und was bedeutet das technisch und finanziell?
Digitale Raumplanungsprogramme erleichtern den nächsten Schritt. Damit planen Sie Räume virtuell, prüfen Varianten am Bildschirm und erkennen Engstellen früh. Änderungen sind in dieser Phase fast immer günstiger als nach dem Umbau.
Für das Bad bieten viele Hersteller und Händler 3D-Planungstools an. Nutzen Sie diese Tools als Orientierung. Eine professionelle Planung durch Expertinnen und Experten ersetzten sie jedoch nicht.
Links & weitere Infos
Barrierefreies Bauen
DIN 18040-2 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 2: Wohnungen (Ausgabe 2011-09)
Zentrale Planungsgrundlage für barrierefreie Wohnungen. Beschreibt Anforderungen und Maße, die bei Neubau und Umbau Orientierung geben.
Informationen und Hinweise des BSK rund um barrierefreies Bauen und barrierefreie Wohnungsanpassung.
Ansprechpartner
Übersicht Wohnberatung der Bundesinitiative Daheim statt Heim e.V.
Übersicht und Einstieg in das Thema Wohnberatung. Unterstützt Sie dabei, passende Beratungsangebote zu finden.
Dachverband der Selbsthilfe. Bietet Orientierung, Informationen und Vernetzung rund um Teilhabe und Unterstützung.
Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V.
Fachinformationen zur Wohnungsanpassung und zur barrierearmen Gestaltung von Wohnraum.
Informationen und Unterstützung rund um barrierefreies Wohnen und Alltagserleichterungen.
GGT Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik® mbH
Informationen zu Technik und Lösungen, die den Alltag im Wohnumfeld unterstützen können.
Magazinbeiträge zum Thema „Wohnen“
Ein Überblick über Wohnbedürfnisse und Wohnformen im Alter, um möglichst lange selbstbestimmt zu leben. Unterstützt bei der Orientierung, welche Optionen zur Lebenssituation passen.
Stellt neue Ansätze und Modelle für das Wohnen im Alter vor. Gibt Impulse für zukunftsfähige Wohnkonzepte.
Stationäre Wohnformen im Alter
Beitrag mit Orientierung zur Frage, welche Wohn- und Pflegeform im Alter passt. Stellt Begriffe und Konzepte vor und verweist auf Checklisten der BAGSO als Entscheidungshilfe.
Smart Home – Technik, die mitdenkt.
Mehr Komfort und Sicherheit im Alltag
Wenn Licht, Fenster oder Rollläden sich leichter bedienen lassen, wird der Tag spürbar einfacher. Smart-Home-Technik unterstützt Sie dabei: per Tastendruck, automatisch oder zentral gesteuert. Sie müssen nicht alles auf einmal umstellen. Schon einzelne, gut gewählte Schritte entlasten.
Was Smart Home für Sie leisten kann?
Moderne Technik kann im Alltag spürbar entlasten. Wer aufgrund einer Conterganschädigung eingeschränkt ist, profitiert von durchdachten Lösungen, die sich den eigenen Bedürfnissen anpassen.
Moderne Haustechnik oder Smart-Home-Systeme erhöhen nicht nur Komfort und Selbstständigkeit, sondern auch Sicherheit. Wichtig ist: Es muss nicht alles auf einmal geschehen. Mit guter Beratung und schrittweiser Planung lässt sich bereits mit kleinen Maßnahmen viel erreichen.
Die folgenden Empfehlungen und Beispiele basieren auf den Experten-Hinweisen von Manfred Häpp (Fachkraft für barrierefreies Bauen & Wohnen). Den Kontakt finden Sie unten.
Experten-Tipps für ein smartes Zuhause
Gehen Sie vom Alltag aus: Beginnen Sie dort, wo Sie täglich Unterstützung brauchen, zum Beispiel bei Beleuchtung, Rollläden, Lüftung oder Küchengeräten. Achten Sie auf:
- einfache Bedienung
- gute Integration in Ihre Wohnsituation
- sichere und stabile Funktion, auch bei möglichen Störungen wie Stromausfall
Smart Home in der Praxis
Anhand einiger konkreter Beispiele zeigen wir Ihnen, wie sich barrierefreies Wohnen umsetzen lässt.
Haustechnik als High-Tech
Unterstützende Haustechnik kann viele Funktionen im Haus zentral steuern. Das erleichtert den Alltag und reduziert Handgriffe. Ein Beispiel dafür ist KNX. Das ist ein verbreiteter Standard, mit dem sich verschiedene Geräte im Haus verbinden und gemeinsam steuern lassen, zum Beispiel:
- Licht steuern und gestalten: Sie dimmen das Licht oder rufen vorprogrammierte Licht-Einstellungen ab, zum Beispiel „Helles Arbeitslicht“, „Gedimmtes Abendlicht“ oder „Nachtlicht“.
Mit Licht kann sich die Raumwahrnehmung gezielt verändern: Formen, Volumen und Details lassen sich hervorheben. Ein Lichttechnik-Managementsystem, wie es etwa in pflegetherapeutischen Zentren eingesetzt wird, kann sogar Tageslicht nachbilden. Im Zusammenspiel von Licht und Farbe verändert sich die Raumanmutung deutlich und das unterstützt zusätzlich die Orientierung. - Fenster überwachen: Fenster lassen sich miteinander vernetzen. Bei einem Einbruchsversuch wird automatisch ein Alarm ausgelöst.
- Luftqualität verbessern: Wenn die Luftqualität schlechter wird, startet das System bei Bedarf automatisch die Lüftung.
- Rauch erkennen: Bei Rauchentwicklung werden die Rauchmelder aktiviert.
- Dachfenster bedienen: Ein Dachfenster lässt sich auch vom Erdgeschoss schließen.
- Rollläden automatisch steuern: UV-Sensoren erkennen starke Sonneneinstrahlung. Dann öffnen oder schließen sich Rollläden automatisch oder nach Zeitplan.
Küche: Entlastung durch Planung und Technik
In der Küche geht es darum, dass Sie überall gut herankommen und Geräte sicher bedienen können. Hier ein paar Beispiele:
- Kücheninsel: Eine freistehende Insel lässt sich komplett umrunden. Auf Wunsch sind dort Herd, Spüle und Dunstabzug integriert.
- Unterfahrbare Arbeitsflächen: Bereiche wie Arbeitsplatte und Spüle lassen sich so planen, dass Sie mit dem Rollstuhl darunter fahren können. Das schafft Bewegungsfreiheit und erleichtert die Arbeit.
- Schränke besser nutzbar machen: Ausziehbare oder drehbare Schrankböden bringen den Inhalt nach vorne. Glasböden helfen bei der Übersicht. Höhenverstellbare Oberschränke lassen sich elektrisch absenken oder anheben. So erreichen Sie alles leichter.
- Kühlschrank: Praktisch sind Modelle, bei denen sich der Kühlbereich weit herausziehen lässt. So kommen Sie leichter an Lebensmittel. Es gibt außerdem Geräte, die den Inhalt digital erfassen und den Überblick als Liste auf das Smartphone übertragen.
- Herdsicherung: Ein externes Herdsicherungssystem warnt optisch oder akustisch und schaltet den Herd nach einer festgelegten Zeit automatisch aus.
- Alternative: Die Dunstabzugshaube lässt sich mit dem Herd koppeln. Dann ertönt beim Betrieb des Herdes ein akustisches Signal.
Bad: Sicherheit und Behaglichkeit
Ein Bad soll Hygiene ermöglichen und gleichzeitig ein Ort sein, an dem Sie sich wohlfühlen. Deshalb lohnt es sich, Sicherheit und Komfort gemeinsam zu planen. Diese Maßnahmen unterstützen dabei:
- Rutschfeste Bodenbeläge: Sie geben mehr Halt und reduzieren das Risiko auszurutschen.
- Haltegriffe: Achten Sie darauf, dass die Griffe stabil befestigt sind und die nötige Tragfähigkeit haben. Planen Sie die Belastungswerte direkt mit ein.
- Armaturen, die sich leicht bedienen lassen: Einhebelmischer mit extra langem Hebel erleichtern das Aufdrehen und Einstellen, besonders wenn die Handkraft begrenzt ist.
- Duschkomfort per Technik: Die Dusche kann eine gewünschte Temperatur speichern. Über Touchscreen oder App stellen Sie das Wasser auf die passende Temperatur ein.
- Wasserfluss ohne Kraftaufwand: Infrarottechnik steuert den Wasserfluss, ohne dass Sie drehen oder drücken müssen.
- Toilette individuell einstellen: Nachlaufzeit und Spülintervall lassen sich per Fernbedienung anpassen.
- Dusch-WC: Modelle, die sich in der Höhe verstellen lassen, bieten mehr Komfort. Reinigung und Trocknung können Sie nach Bedarf einstellen, zum Beispiel über Strahlstärke und Trocknungstemperatur.
Wichtig bei Spiegel und Licht: Stimmen Sie die Lichtquellen gut aufeinander ab. So vermeiden Sie Blendungen, die die Orientierung erschweren und Stürze begünstigen können. Wenn Bodenfarbe, Fliesen, Ausstattung und Beleuchtung zusammenpassen, steigt das Sicherheitsgefühl und das Bad wirkt zugleich behaglicher.
Beratung und Umsetzung
Nicht jedes System passt zu jeder Wohnsituation. Nutzen Sie deshalb unabhängige Beratung, etwa über:
- Wohnberatungsstellen
- Pflegestützpunkte
- Verbraucherzentralen
- Fachstellen der Länder und Kommunen
- spezialisierte Planerinnen und Planer (z. B. Architektinnen/Architekten)
Kontakt
Manfred Häpp, Fachkraft für barrierefreies Bauen & Wohnen
Mirweilerweg 22 a
52349 Düren
Telefon: 02421 440 771
Mobil: 0162 7415462
E-Mail: m.haepp@bmz-dueren.de